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Geschichtliches
Wurde auch Kreta vor 3600 Jahren von einem Tsunami ausgelöscht?
Diese Hypothese stellte der Vulkanologe der ETH Zürich, Prof. Volker Dietrich vor einigen Jahren auf. Wer sich mit dem Labyrinth als Kulturmuster beschäftigt, fühlt sich an den Untergang der minoischen Kultur erinnert, an das nahezu völlige Verschwinden ihres friedlichen, matriarchalen Welt- und Menschenbildes.
Zwei Zitate aus einem
Die kykladisch-minoische Zivilisation zählt zu den hochstehenden Kulturen der Bronzezeit. Über einen Zeitraum von tausend Jahren entwickelte sich zwischen dem heutigen Griechenland und Kleinasien eine eigenständige blühende Kultur. (…) Das Ende dieser Zivilisation liegt auch heute noch im dunkeln, dies, obwohl reichhaltige archäologische Funde aus dieser Zeit vorliegen. Eine Hypothese besagt, der Untergang dieser Kultur sei auf die katastrophale Eruption des Vulkans Santorin zurückzuführen (…) um 1628/1627 v. Chr. stattgefunden haben muss. (…) Die Hypothese besagt, im Zuge des Vulkanausbruchs hätten starke Erdbeben und Riesenwellen (Tsunamis) die gesamte kykladische Inselwelt mit allen Schiffen und Siedlungen entlang den benachbarten Küsten zerstört. Die These ist schwer zu beweisen, hinterlassen derartige Ereignisse doch praktisch keine Spuren. Ein umfassendes Bild ergibt sich erst, wenn man vulkanologische und archäologische Erkenntnisse verknüpft.
Niemals zuvor hat eine Naturkatastrophe derartig tiefgreifend Lebensgewohnheiten und
Glauben beeinflusst. Auf einmal gab es völlig unbekannte erzürnte Mächte:
der Himmel verdunkelte sich über Wochen, Feuer und Erde schienen vom Himmel zu
fallen, grosse Fluten aus dem einst klaren, nun mit Schutt und Asche bedeckten Meer
verwüsteten die Küsten – Chaos herrschte überall.
Für die Überlebenden gab es von nun an keine harmonische und friedfertige
Natur mehr – das Böse hatte Einzug gehalten. So ist es nicht erstaunlich,
dass sich nach dieser Katastrophe neue Religionen entwickelt haben. Die wohlhabenden
minoischen Flüchtlinge auf dem Peloponnes, in Attika und in Teilen Kretas, die ihre
Schätze in Sicherheit bringen konnten, wandten sich einer polytheistischen
Philosophie zu. Ihr tägliches Leben wurde von nun an durch zwölf Götter
bestimmt. Zeus, der allmächtige Gottvater, gebot über alle anderen
Götter. Die matriarchalische Religion wich somit in spätminoischer Zeit einem
«imperialistischen Polytheismus». Auf dem Peloponnes entstand die neue
Kultur der «goldenen mykenischen Epoche». Sie ist durch eine sehr dekorative
Ausdrucksweise mit Objekten wie Dämonen, Greifvögeln und Sphinx geprägt;
neben Jagdszenen werden häufig Kriegsszenen und barbarisches Abschlachten von
Tieren dargestellt. Gottheiten besitzen nun prägnante Ausdrucksformen mit
allmächtigen Gesichtszügen. (…)
In mykenischer Zeit entsteht auch ein stärkerer Totenglauben, der sich in der
Errichtung von grösseren Schachtgräbern mit umfangreichen Beigaben
verdeutlicht. Die dekorativen Darstellungen in den erneuerten Siedlungen und
Palästen Kretas sind eindeutig weniger ausdrucksvoll, stilistisch einfacher und von
geringerer Farbqualität als früher – die Perfektion der kykladisch-minoischen
Epoche wurde nie wieder erreicht. (…)





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