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Neue Labyrinthe (Auswahl)
5 Jahre Labyrinthgeschichte in Dresden – Labyrinthe in Dresden: Aus 1 mach 3!
Von Bettina Melzer, Frauenkulturprojekt Dresden
Der Weg beginnt
Das Frauenbildungszentrum Dresden (FBZ) hat 1998 das Projekt “Labyrinth – Lebensweg” in sein Programm aufgenommen, aus dem es nicht mehr wegzudenken ist. Es ist ein Stück Identität des Hauses geworden, was sich nicht zuletzt in einem begehbaren Labyrinth spiegelt, das die FBZ-Frauen in den Rasen des zum Haus gehörenden Gartens gemäht haben.
Als langjährige Mitarbeiterin des FBZ, Initiatorin und Leiterin des Projektes habe ich den Prozess um die Schaffung eines öffentlichen Labyrinthplatzes von Anfang an begleitet. Inzwischen nicht mehr im FBZ angestellt, arbeite ich noch heute ehrenamtlich am Projekt mit.
Ausgelöst durch den Versuch des Kulturamtes der Stadt Dresden ein Frauenkulturkonzept zu erstellen, entwickelten wir ein konkretes Projekt, um das Besondere von Frauenkultur sichtbar und nacherlebbar zu machen. Das Labyrinth als Symbol half uns, weibliche Lebenszusammenhänge mit dem Grundmuster des Lebens in Verbindung zu bringen und damit neue Räume sowohl nach innen, als auch nach außen zu öffnen.
Wie viel Zeit und Geduld es braucht, bisher unbekannte, über lange Zeit verschlossenen Räume (wieder) zu öffnen, zeigt die Zeitspanne vom Beginn des Projektes bis zur Einweihung des ersten öffentlichen Labyrinthplatzes im Großen Garten im Oktober 2000.
Bild 1: Das Labyrinth im Grossen Garten; © Bettina Melzer
Immer wieder waren wir aufgefordert, uns selbst den Strukturen des Labyrinthes zu stellen, sie anzunehmen und zu verstehen. Mit jedem Schritt erweiterten und vertieften oder veränderten sich die Einsichten in die Zusammenhänge. Die Konzeption wurde mit der Zeit detaillierter, das Veranstaltungsangebot umfangreicher und vielschichtiger. Kreativität und Beharrlichkeit waren gefragt, um den von Anfang an geplanten Bau eines öffentlichen Labyrinthplatzes verwirklichen zu können. Mit dem Labyrinthplatz im Großen Garten glaubten wir uns am Ziel. Drei Mal gelang es uns, den Flächennutzungsvertrag von ursprünglich einem halben Jahr zu verlängern. Zahlreiche, vom FBZ organisierte und getragene, Kulturveranstaltungen für Menschen jeden Alters machten den Platz bekannt. Im größten und schönsten Park Dresdens gelegen, zog er Kinder und Erwachsene auch außerhalb der Veranstaltungen magisch an.
Loslassen, um zu gewinnen
Anfang 2003 kam das endgültige Aus. Ende Juli mussten wir das Labyrinth, das ausschließlich von Frauen aus eigener Kraft geschaffen wurde, abbauen. Mit dem Wissen um das Ende galt es, noch einmal zu beginnen, die Energien nicht in der Enttäuschung über den Verlust dieses Platzes versacken zu lassen.
Inzwischen gab es einen festen Kern von Labyrinthfrauen und einen immer größer werdenden Kreis von UnterstützerInnen, so das es möglich wurde mit Hilfe des Grünflächenamtes, des Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerkes und der Stadtsparkasse Dresden als Sponsor ein behindertengerechtes Labyrinth im Volkspark Briesnitz zu projektieren und zu bauen, das am 13.9.2003 der Öffentlichkeit übergeben wurde.
Bild 2: Das Labyrinth im Volkspark Briesnitz, eröffnet am 13. Sept. 2003; © Jürgen Herzer
Das wachsende öffentliche Interesse am Labyrinth zeigt, dass es uns gelungen ist, ein Stück Frauenkultur in den Lebensraum Stadt zu transportieren, das allen, die dafür offen sind, zur Verfügung steht. Die nunmehr problemlose Einbeziehung von Menschen mit Handicap eröffnet uns ein neues Aufgaben- und Erfahrungsfeld.
Bild 3: Das erste behindertengerechte Labyrinth Deutschlands; © Jürgen Herzer
Auch an und in diesem Labyrinth bieten wir neben Führungen Kulturveranstaltungen an, zum Teil in Kooperation mit dem Theater Junge Generation, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft es liegt. Zu weit vom FrauenBildungsHaus entfernt und zu groß für intimere Rituale, wie die Jahreskreisfeste, die wir regelmäßig im Labyrinth im Großen Garten gefeiert haben, “wuchs” wie nebenbei das Labyrinth im Garten des FrauenBildungsHauses, das u.a. dafür genutzt wird.
Bild 4: Das Labyrinth im Garten des FrauenBildungsHauses; © Ramona Bechler
Eine Erfolgsstory? Ja – und nein
Labyrinthe, habe ich erfahren, entwickeln ihre eigene Dynamik. Mit der Kündigung der Fläche im Großen Garten ist uns als “Ersatz” eine Fläche am Theater Junge Generation angeboten worden. Hier sind wir mit der Labyrinthidee in eine Interessengruppe geraten, die sich für die Erneuerung des Volkspark Briesnitz engagiert. Regelmäßige Zusammenkünfte mit der Gruppe führten zu einem neuen, wahrhaft labyrinthischen Prozess: offen, kommunikativ und umsichtig entwickelte sich aus der Idee das Labyrinth zu verlagern ein Projekt zum Bau eines allseitig behindertengerechtes Labyrinths.
Ein Erfolg? Ja, denn solch ein Platz ist ein Novum für Deutschland. Wir haben
erlebt, dass sich Ideen, die wir schon beim Bau des Labyrinthes im Großen Garten
in uns trugen, mit den richtigen Partnern umsetzen lassen.
Und nein, denn meine Ahnungen haben sich im Verlauf des Prozesses bestätigt. Es ist
wohl möglich, die Labyrinthidee zu transportieren, nicht aber einen
Labyrinthplatz “zu verpflanzen”. Jedes Labyrinth, jeder Platz
ist einmalig und sollte in seiner Einmaligkeit, seiner Ausstrahlung und seinem Wert
erhalten bleiben. Denen, die ihn lieben und nutzen und denen, die ihn noch kennen
lernen werden und dadurch vielleicht ein Stück vom Leben lernen.
Kontakt und Informationen über Labyrinthveranstaltungen in Dresden
Detaillierte Angaben zum behindertengerechten Labyrinth sind zu finden unter
Frauenbildungszentrum
Oskarstraße 1
01219 Dresden
Telefon +49 351 33 77 09
Ansprechpartnerin: Barbara Feichtinger
E-Mail <fbz-dresden@gmx.de> (Newsletter anfordern)
Web
“Von der Idee zum behindertengerechten Labyrinth im Volkspark Briesnitz”
Diese umfangreiche Dokumentation 1998 – 2003 mit vielen farbigen Bildern versenden wir gern gegen einen Unkostenbeitrag von € 10.— zuzüglich Porto.





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