Hintergrund

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Noch nicht? Eine Betrachtung zur politischen Verantwortung

Von Agnes Barmettler und Rosmarie Schmid.

Das Thema “noch nicht?” wurde am → 2. Internationalen Labyrinth Kongress 2003 in Zürich von Rosmarie Schmid als Thema des → Open Space eingebracht und erhielt bei der → Schlussrunde weitaus am meisten Punkte. Wir sind der Ansicht, dass dieses Thema von zentraler Bedeutung für die Labyrinthbewegung ist und möchten damit eine breit angelegte Diskussion anregen.

Das erste öffentliche Labyrinth als Frauenplatz wurde 1991 in Zürich erbaut, seither sind über 150 weitere Plätze entstanden.

Warum braucht es auch künftig Labyrinthe, öffentliche Frauenplätze? 

Labyrinthe von labyrinth-international.org sind von Frauen geschaffene Orte der Begegnung im öffentlichen Raum. Sie sind frei zugänglich für Frauen, Männer, Kinder. Das Engagement mit dem Labyrinth gehört zur politischen Öffentlichkeitsarbeit.

In einer Zeit, wo sich verbindliche Werte verflüchtigen und die sozialen Gegensätze sich verstärken – mächtig und benachteiligt, reich und arm, gesund und krank, gebildet und ungebildet, integriert und randständig, dazugehörig und nichtdazugehörig – ist die notwendige Solidarität leider nicht mehr selbstverständlich. Das Labyrinth bietet auf kleinstem Raum verschiedenste Möglichkeiten für ein menschliches Teilhaben und Teilnehmen. Es ist ein Übungsfeld für ein demokratisches Verhalten, das sich auf die Grundrechte der Menschen bezieht.

Diese Betrachtungsweise ist besser zu verstehen, wenn wir von der Struktur des Labyrinths ausgehen, wenn wir sie lesbar machen. Das Labyrinth ist viele tausend Jahre alt. Die Form der Struktur ist sehr klar, ihre Wahrnehmung aber war und ist nicht endgültig fixiert. Die Deutungen entsprechen den Wertvorstellungen der jeweiligen Kultur, in der das Labyrinth gebraucht wird. Sobald die Labyrinthstruktur nicht mehr verstanden wird, entsteht aus dem Labyrinth ein Irrgang.

Wir Frauen haben die alte Struktur wieder in die Öffentlichkeit geholt. Mit Hilfe des Labyrinths versuchen wir die unterschiedlichen, alltäglichen Erfahrungen differenziert wahrzunehmen. Die Lebensgesetze, die wir dabei neu entdecken, interpretieren wir in Zusammenhängen unserer Gegenwart.

Was ist im Bewusstsein? Was ist noch nicht eingelöst? 

Dank seiner Struktur bietet das Labyrinth ein ganzes Bündel von Denkhorizonten an, die sowohl für die alltägliche Besinnung als auch für eine analytische Reflexion sinnvoll gebraucht werden können. Dank seines Weges bietet das Labyrinth ein ganzes Bündel von gangbaren Handlungsspielräumen an, die sich für die politische Praxis im täglichen Leben bewähren können.

Was ist davon eingelöst?

Die Erfahrungen mit dem Labyrinth fordern die eigene Autorität und die persönliche Verantwortung heraus. Beides ist notwendig für gemeinsames, politisches Handeln.

Was ist noch nicht eingelöst?