Archivierte Beiträge, Dokumente etc.
Noch nicht? Eine Betrachtung zur politischen Verantwortung
Von Agnes Barmettler und Rosmarie Schmid.
Das Thema “noch nicht?” wurde am
Das erste öffentliche Labyrinth als Frauenplatz wurde 1991 in Zürich erbaut, seither sind über 150 weitere Plätze entstanden.
- ↓ Warum braucht es auch künftig Labyrinthe, öffentliche Frauenplätze?
- ↓ Was ist im Bewusstsein? Was ist noch nicht eingelöst?
Warum braucht es auch künftig Labyrinthe, öffentliche Frauenplätze?
Labyrinthe von labyrinth-international.org sind von Frauen geschaffene Orte der Begegnung im öffentlichen Raum. Sie sind frei zugänglich für Frauen, Männer, Kinder. Das Engagement mit dem Labyrinth gehört zur politischen Öffentlichkeitsarbeit.
In einer Zeit, wo sich verbindliche Werte verflüchtigen und die sozialen Gegensätze sich verstärken – mächtig und benachteiligt, reich und arm, gesund und krank, gebildet und ungebildet, integriert und randständig, dazugehörig und nichtdazugehörig – ist die notwendige Solidarität leider nicht mehr selbstverständlich. Das Labyrinth bietet auf kleinstem Raum verschiedenste Möglichkeiten für ein menschliches Teilhaben und Teilnehmen. Es ist ein Übungsfeld für ein demokratisches Verhalten, das sich auf die Grundrechte der Menschen bezieht.
Diese Betrachtungsweise ist besser zu verstehen, wenn wir von der Struktur des Labyrinths ausgehen, wenn wir sie lesbar machen. Das Labyrinth ist viele tausend Jahre alt. Die Form der Struktur ist sehr klar, ihre Wahrnehmung aber war und ist nicht endgültig fixiert. Die Deutungen entsprechen den Wertvorstellungen der jeweiligen Kultur, in der das Labyrinth gebraucht wird. Sobald die Labyrinthstruktur nicht mehr verstanden wird, entsteht aus dem Labyrinth ein Irrgang.
Wir Frauen haben die alte Struktur wieder in die Öffentlichkeit geholt. Mit Hilfe des Labyrinths versuchen wir die unterschiedlichen, alltäglichen Erfahrungen differenziert wahrzunehmen. Die Lebensgesetze, die wir dabei neu entdecken, interpretieren wir in Zusammenhängen unserer Gegenwart.
Was ist im Bewusstsein? Was ist noch nicht eingelöst?
Dank seiner Struktur bietet das Labyrinth ein ganzes Bündel von Denkhorizonten an, die sowohl für die alltägliche Besinnung als auch für eine analytische Reflexion sinnvoll gebraucht werden können. Dank seines Weges bietet das Labyrinth ein ganzes Bündel von gangbaren Handlungsspielräumen an, die sich für die politische Praxis im täglichen Leben bewähren können.
Was ist davon eingelöst?
- das Labyrinth hat eine überschaubare Struktur, die nicht willkürlich ist
- das Labyrinth ist eine grosse Welt an kleinstem Ort
- die verschiedensten Menschen können gleichzeitig das Labyrinth begehen
- alle sehen und erleben das Labyrinth aus ihrer Sicht, von ihrem Standpunkt aus
- Sichtweisen und Standorte sind nicht fixiert, müssen nicht eindeutig bewertet sein
- die Struktur bildet die Grenze des durchgehenden Weges
- der durchgehende Weg schafft die Basis für das Labyrinthvertrauen
- der Weg hat viele Richtungsänderungen, Kehrtwendungen
- jeder einzelne Umgang ist unterschiedlich und hat seinen eigenen Wert
- jeder Umgang hat seine eigene Distanz nach innen, zur Mitte
- diese Mitte ist der eigentliche Ort der Umkehr, der Weg beginnt neu, er weist nach aussen
- jeder Umgang hat seine eigene Distanz nach aussen, zur Umwelt
- mit dem Wegcharakter des Hin und Her wechseln die Sichtweisen und Standpunkte
- im Labyrinth sind die Dimensionen des Daseins komplex enthalten
- die Gesetze der Materie Welt (Universum, sterbliche Körper, geistige Prozesse etc.) sind zum Beispiel in den Zahlen der Massverhältnisse ablesbar
-
die Urzeichen der Menschheit sind im Labyrinth integral vorhanden, ein Beispiel dazu ist das Logo von labyrinth-international.org
- die Frau im Labyrinth hat eine Botschaft
- mit ihrem Körper bildet sie das Lebenskreuz
- ihr Herz ist im Schnittpunkt der beiden Lebenslinien der Struktur
- ihr Herz ist das Zentrum des Labyrinths
- die Frau erinnert an den Ursprung aller Menschen
- alle sind geboren, aus einer Frau
- alle sind an die Erde gebunden und ernähren sich aus ihr
- die Frau im Labyrinth erinnert an die Ordnung des Mütterlichen
- jeder Umgang geht an dieser Frau vorbei, aber nie wird sie übergangen
Die Erfahrungen mit dem Labyrinth fordern die eigene Autorität und die persönliche Verantwortung heraus. Beides ist notwendig für gemeinsames, politisches Handeln.
Was ist noch nicht eingelöst?





translate
traduire