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Neue Labyrinthe
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Das Kieler Labyrinth setzt Zeichen: Keine Gewalt gegen Frauen und Mädchen
Mit einem begehbaren Labyrinth rund um einen Gedenkstein setzt die
schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel als erste Kommune in Deutschland ein
nachhaltiges Zeichen: Gewalt gegen Mädchen und Frauen wird nicht toleriert.
Etwa 22 Meter im Durchmesser groß ist das Labyrinth unter dem Motto
“Wege aus der Gewaltspirale” im Volkspark (“Werftpark”) auf
dem Ostufer der Kieler Förde. Es wurde am Montag, 19. September, von
Bürgermeister Peter Todeskino offiziell an die Öffentlichkeit
übergeben. Das 27.000 Euro teure Projekt wurde maßgeblich aus dem
EU-Programm URBAN II und aus dem Städtebauförderungsprogramm
“Soziale Stadt” gefördert.




An der Einweihung nahmen neben der Kieler Frauenbeauftragten Annegret Bergmann
Vertreterinnen zahlreicher Kieler Frauenorganisationen teil. Gemeinsam hatten sie
für das Projekt gekämpft, gemeinsam hatten sie das Labyrinth angelegt. Unter
den ersten Kielerinnen und Kielern, die das Labyrinth durchschritten, waren als Trolle
verkleidete Grundschüler der benachbarten Gerhart-Hauptmann-Schule. Zum Programm
der Einweihung gehörten außerdem Musik und Tanz sowie eine Erläuterung
durch die Labyrinth-Expertin und Projektleiterin Rafaela Schmakowski.


Die Kieler Frauenbeauftragte Annegret Bergmann und Kieler Frauenorganisationen
verfolgten seit Jahren die Idee eines begehbaren Labyrinths als Gedenkstätte
für Frauen, die von Gewalt betroffen oder durch Gewalt umgekommen sind.
Das Labyrinth ist in vielen Kulturen ein traditionelles Symbol der kosmischen Ordnung,
die das Leben auf der Erde prägt.

Im Gegensatz zu einem Irrgarten hat ein begehbares Labyrinth erkennbare Ein- und
Ausgänge. Der Gang durch die Labyrinthbögen wirkt beruhigend.


Ausgangspunkt für die Gedenkstätte im Kieler Werftpark war neben dem
Labyrinthgedanken die Idee eines Denkmals “Nein in Stein” für von
Gewalt betroffene Frauen. Daher befindet sich im Zentrum des Labyrinths ein fast zehn
Tonnen schwerer Findling aus rotem Granit.

Das Labyrinth wurde unter der Leitung von Rafaela Schmakowski am Fuße eines
leicht ansteigenden Hügels unter den großen Bäumen des Volksparks
angelegt. Ganz in der Nähe liegt der große Kinderspielplatz des Parks, der
ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen aus dem multikulturellen Stadtteil
Gaarden ist. Die Wege durch die sieben Labyrinthbögen sind mit hellem
Kies bestreut, die vier inneren Bögen können auch mit dem Rollstuhl befahren
werden.

Geschmückt sind die Bögen mit Symbolen für Mond und Sonne. Der Eingang
des Labyrinths ist nach Norden ausgerichtet.
Mit dem Zeichen gegen Gewalt gegen Mädchen und Frauen richtet sich Kiel nicht nur
an potenzielle Täter (und Täterinnen), sondern gerade auch an die
“schweigende Mehrheit”, die wegsieht, den Opfern Hilfe verweigert, Gewalt
bagatellisiert und damit die Täter schützt. «Wir wollten einen Ort in
Kiel schaffen, um der Frauen zu gedenken, die Opfer von Gewalt wurden. Zugleich soll
es ein Treffpunkt für alle sein», erläutert Kiels Frauenbeauftragte
Annegret Bergmann. So soll das Labyrinth auch Menschen als Anziehungspunkt dienen,
die keine persönliche Betroffenheit in Bezug auf Gewalt gegen Frauen mitbringen.
Wichtig war den Initiatorinnen eine breite Beteiligung bei der Planung und Umsetzung
des Projekts. Unter der Leitung von Rafaela Schmakowski wurde die Idee mit
provisorischen Labyrinthen auf verschiedenen Veranstaltungen vorgestellt. Am Bau
konnten sich alle Interessierten beteiligen. So entstand unter der Schirmfrauschaft
von Kiels Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz ein Mahnmal, das zugleich
Begegnungsstätte ist. Am Labyrinthplatz oder im benachbarten städtischen
Kinder- und Jugendtheater im Werftpark sind für den Herbst schon einige
Veranstaltungen geplant.







19. September 2005/ang
Siehe auch den Beitrag
→ Zusammenhang von Kosmos und Labyrinth,
sowie [www.labyrinth-kiel.de] und
[www.rafaela-schmakowski.de/zeichen.htm].
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