Internationale Labyrinthkongresse
Rückblick auf den 2. Internationalen Labyrinth Kongress 2003 (Zürich)
Reaktionen auf den Kongress
Unterwegs sein – Vertiefen – Austauschen
Bericht von Bettina Melzer, Dresden
Unterwegs sein. Zehn Gehminuten vom Zürcher Hauptbahnhof zum Zeughaushof.
Ladenstraße, Gefängnis, Zirkus, Rotlichtmilieu. Als hätte sich die Welt
verdichtet auf diesem Stück Weg. Dazwischen pulsiert ein Platz. Willkommen winkt
das Labyrinth. Frauen in farbigen Kleidern schlängeln sich zur Mitte. Die wenigen
Männer, die sich eingereiht haben, sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen.
Nahezu 100 TeilnehmerInnen aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und den
Niederlanden trafen sich am letzten Augustwochenende zum Internationalen
Labyrinthkongress an jenem Ort, an dem vor 13 Jahren Schweizer Frauen um Rosemarie
Schmid und Agnes Barmettler einem scheinbar vergessenen Symbol neuen Raum gaben.
Inzwischen gibt es ein dichtes Netz von Labyrinthplätzen im deutschsprachigen Raum.
Hauptsächlich von Frauen initiiert, gebaut, betreut und belebt.
«Wir sind Labyrinthbewohnerinnen in einem öffentlichen Haushalt»,
sagte Ursula Knecht in ihrer Eröffnungsrede. Frauen sind unterwegs, nach
außen zu tragen, was einen Haushalt im Inneren zusammenhält: Vielfalt und
Offenheit, Bedächtigkeit und Umsicht, Achtsamkeit und Toleranz.
Labyrinthplätze im öffentlichen Raum anzulegen, stößt noch nicht
oft auf offene Arme in Ämtern und Behörden. Da ist Beweglichkeit gefragt und
Wendigkeit, Ausdauer und Geduld. Labyrinthische Muster prägen alle Ebenen des
Lebens. Darum wissen jene, die zum Kongress gekommen sind, und um die Ungeduld, die auf
dem Umweg lauert, Verbündete zu finden. Den Zürcher Frauen ist es von Anfang
an gelungen, die Stadträtin und Leiterin des Sozialdepartements, Monika Stocker,
mit auf den Weg zunehmen.
Vertiefen. «Solange ich mich schon mit dem Labyrinth beschäftige, ich
lerne bei jeder Begegnung hinzu». Nachdenklich schaut eine Frau auf die
Stellwände, an die TeilnehmerInnen Fotos von Labyrinthen aus ihrer Heimat gepinnt
haben. Jedes ist anders. Das nicht nur zu sehen, sondern auch sinnlich nachzuempfinden,
war am zweiten Kongresstag möglich. Acht verschiedene Angebote gab es,
Labyrinthplätze in der Schweiz zu besuchen, sich ihnen zu nähern, sie in sich
aufzunehmen. Schwer, sich zu entscheiden. Welchen Aspekt des Labyrinths will ich kennen
lernen oder vertiefen? Sakralraum oder politische Präsenz, Kunstobjekt oder
Begegnungsraum, Tanzplatz oder Heilungsfeld, Meditationsort oder Landschaftsbild.
Jedes Labyrinth ist von dem Ort geprägt, dem es gegeben wurde und den Menschen,
die damit umgehen. Allen gemeinsam ist ihre Struktur: ein offener Raum, mit einem Weg,
der Wachstum ermöglicht und somit in die eigene Tiefe führt.
Gänsehaut beim «Labyrinthmaskenspiel» der Theaterwerkstatt Eisingen.
Die zeitlose, immerwährende Suche nach sich selbst, von Menschen mit geistiger
Behinderung auf die Bühne gebracht: Bewegung ohne Worte. Das Labyrinth braucht
keine Worte. Im Gehen weckt es die Erinnerung aus dem Tiefschlaf.
Austauschen. So offen wie das Labyrinth, die Kongressstruktur. Die
«Open-Space-Methode» gab allen Fragen, Problemen und Projekten zum Labyrinth
den nötigen Raum. Was interessiert mich? Woran will ich arbeiten? Welche Erfahrungen
möchte ich (mit-)teilen? Moderiert von Zita Küng bildeten sich Arbeitsgruppen
zu verschiedenen Themen. Wer ein Thema anbot, leitet eine Gruppe. Wer interessiert war,
gesellte sich dazu. Genügend Zeit und Raum auch für entspanntes Plaudern,
Singen, Tanzen. Am Abend waren neue Verbindungen geknüpft, Erfahrungen standen
in einem anderen Licht. Mit der Dokumentation der Arbeit in den Themengruppen hatte
jede/r ein Bündel Ideen zum Weiterspinnen in der Hand. Welche davon werden Gestalt
gewonnen haben bis zum nächsten Labyrinthkongress 2005 in Wetzlar? Ein Wanderweg
von Labyrinth zu Labyrinth, Menschen mit Handicap einzubeziehen, die politische
Bedeutung des Labyrinths zu stärken…
Stilles Ausschwingen am letzten Kongresstag. Noch einmal mit Musik ins Labyrinth. Vorbei
an den Blumen, die den Weg säumen. Einige Pflanzen sind dazugekommen, als Dank von
Teilnehmerinnen an die Züricher Labyrinthfrauen. Wurzeln schlagen und wachsen im
Labyrinth. Sich die Hände reichen über die Begrenzungen hinweg. Bilder des
Verbundenseins. In der Labyrinthmitte Karten wie Blütenblätter auf einem
roten Tuch. Jede/r war aufgefordert worden, darauf die Heimatanschrift, einen Wunsch und
ein Geschenk zu hinterlassen. Hände, die nach den gut gemischten Karten greifen,
das Angebot aufgreifen sich über den Kongress hinaus auszutauschen. Unzählige
Umarmungen zum Abschied.
Abreise mit sinnlichen Bildern von einem liebevoll gestalteten Ablauf im Gepäck.
Eine Blüte auf dem Tischtuch, ein Flötenton, ein Tanzschritt… Selbst
Regentropfen können Schlüssel sein, die den Erinnerungsraum öffnen. In
dessen Mitte liegt das Labyrinth als Platz, der mich umarmt.





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