Aktivitäten

Wandern von Labyrinth zu Labyrinth

Eine Aprilwanderung

Eine Aprilwanderung von Labyrinth zu Labyrinth

Festgehalten von Klaus Kirdorf

Ich war ganz schön aufgeregt, als um 6.30 Uhr am Samstag, den 3. April 2004, der Wecker klingelte und damit zugleich signalisierte, dass heute die seit langem geplante Wanderung vom Labyrinth bei der evangelischen Kirche in Hofheim-Langenhain zum Labyrinth beim Schloss Freudenberg in Wiesbaden-Dotzheim anstand. Viele Wochen vorher schon hatte ich am Computer gesessen und mit Hilfe von “Topografischen Freizeitkarten” (Maßstab 1 : 50 000), einem “ADAC-Stadtatlas Rhein-Main / Frankfurt” und vor allem mit Hilfe eines “Karten-Entfernungsmessers” eine mögliche Wanderstrecke ausgesucht, beschrieben und auf der Internetseite von Werner Kaufmann www.begehbare-labyrinthe.de deponiert. Aber je näher der Tag “meiner” ersten Gruppenwanderung von Labyrinth zu Labyrinth rückte, umso häufiger fragte ich mich, ob denn ja alles an diesem Tag klappen würde. Längst stand ich in Kontakt mit Ingrid Brandes-Scherrer, der Labyrinthbetreuerin in Langenhain, und mit Petra Sendker, der Mitarbeiterin im Team von Schloss Freudenberg und u.a. zuständig für das dortige Labyrinth. Ich hatte rechtzeitig Dutzende von E-Mails mit Hinweisen zur Wanderung verschickt an alle mir bekannten Betreuungspersonen und Institutionen der inzwischen beinahe 100 Labyrinthe in Deutschland (einige auch in die Schweiz) sowie an Freunde und Bekannte. Die vielen Rückmeldungen und guten Wünsche zum Gelingen haben mich sehr beflügelt.

Eine Woche vor dem großen Ereignis entschloss ich mich, die Strecke erst einmal allein abzugehen. Sigrid, meine Frau, setzte mich am Sonntagvormittag an der evangelischen Kirche in Langenhain ab und fuhr schon einmal mit dem Auto zum Schloss Freudenberg voraus. Ich selbst machte mich – ausgerüstet mit einer Wasserflasche, ein paar Müsli-Riegeln, der Wanderkarte “Taunus / mittlerer Teil” (1 : 50 000), meiner eigenen Wegbeschreibung und einem Notizblock nebst Filzschreiber – auf den Weg.

Nördlich von Langenhain erreichte ich am Waldrand den Wanderweg mit dem Wegzeichen “Schwarzer Punkt” in Richtung Wildsachsen. Wieso hatte ich in meinen Aufzeichnungen von einem blauen Punkt geschrieben? Die zweite Überraschung kam wenige Minuten später: Holzfäller müssen hier wohl gerade ihre Arbeit beendet haben. Der schmale Waldweg war übersät mit Ästen und Zweigen und ziemlich zerfurcht und morastig. Das konnte ja in einer Woche heiter werden! Aber nach 100 m war der Spuk wieder vorbei. Der Weg führte leicht bergab, und es dauerte nicht lang, bis die ersten Häuser im Wochenendgebiet von Wildsachsen zu sehen waren. Aber wo war der schwarze Punkt? Ich ging am Rand der Siedlung entlang bis zu ihrem Ende und wieder ein Stück zurück, ging durch die Siedlung hindurch – aber weit und breit war keine Wegmarkierung zu sehen. Was macht also der frustrierte Wanderer in einer solchen Situation? – Richtig! Er geht bis zur letzten Markierung zurück! Und siehe da: plötzlich erblickte ich – jetzt aus der Gegenrichtung kommend – einen schwarzen Punkt an einer Buche direkt am Anfang des Wochenendgebiets mit einem Richtungspfeil “bergab”. Zeitverlust: 15 Minuten! Ich notiere mir die kritische Stelle und nehme mir vor, mich bei Weggabelungen und “fehlenden” Markierungen notfalls auch einmal umzudrehen.

Als ich kurz vor 18.00 Uhr beim Schloss Freudenberg ankomme, bin ich zwar etwas “groggy” und ziemlich hungrig, aber auch froh, dass ich die Wanderstrecke jetzt schon recht gut kenne. Ich esse im Café von Schloss Freudenberg eine Kleinigkeit, gehe anschließend mit Sigrid noch durch das im Abendlicht besonders schöne Labyrinth, und dann fahren wir nach Wetzlar zurück. Jetzt kann die Wanderung kommen! - In den nächsten Tagen erreichen mich noch ein paar Absagen, aber auch noch einige “Last Minute-Anmeldungen”. So kann ich mit einer Wandergruppe von etwa 15 Personen und einigen weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Ritualen vor und nach der Wanderung rechnen.

Am Samstag, 3. April 2004, Punkt 8.05 Uhr, starten Sigrid und ich mit zwei weiteren Wetzlarer Labyrinth- und Wanderfreundinnen in Richtung Langenhain. Zu meiner eigenen Überraschung erreichen wir schon um Punkt 9.00 Uhr die dortige evangelische Kirche.

Ich habe noch genug Zeit, um mit dem Auto Petra an der Endhaltestelle der Wiesbadener Buslinie 23 im Nachbarort Breckenheim abzuholen. Wieder zurück in Langenhain stelle ich erfreut fest, dass sich inzwischen eine große Gruppe von Wander- und LabyrinthfreundInnen eingefunden hat – auch Erwin Reißmann aus Würzburg, der die Wanderung “an Start und Ziel” fotografisch betreuen wird, und eine Delegation der “Niederrheinischen Berg- und Wanderfreunde”. Auch Enkeltochter Enya ist inzwischen mit ihren Eltern eingetroffen und lässt sich zufrieden von ihrem Vater in der Rückentrage durch den Kirchgarten tragen. Ingrid hat inzwischen mit vielen Langenhainer Helferinnen die Vorbereitungen für ein “Verabschiedungsritual” abgeschlossen und bittet die Gruppe, sich im Kreis um das Labyrinth aufzustellen. Im “Pilgerschritt” und mit Gesang ziehen wir dann durch das Labyrinth, empfangen noch eine “Wegzehrung” nebst einem Wermutkräutlein aus dem Kräutergarten und einem kleinen Stein als Wegbegleiter. Jetzt kann es losgehen!

Um 10.15 Uhr ziehen 17 WanderfreundInnen durch den Ort, am imposanten Bahai-Tempel vorbei, in Richtung Wandrand. Der Himmel ist leicht bewölkt, und Lutz hat als einziger sogar einen Regenschirm dabei. Aber er konnte ja nicht wissen, dass ich in der Lage bin, Wolken am Himmel so zu verschieben, dass immer mal wieder die Sonne durchkommt. Erstaunlich schnell erreichen wir Wildsachsen, unterqueren die A 3 und erlauben uns eine kurze Getränkepause. Wir gehen weiter und haben nach wenigen Minuten die Wiesbadener Stadtgrenze überschritten. Von der Möglichkeit, bei der Haltestelle “Am Wald” in Medenbach mit dem Stadtbus zum Schloss Freudenberg vorauszufahren, macht niemand Gebrauch. Bei der Siedlung “Erbsenacker” der Gemeinde Naurod genießen wir den Blick auf den nahen “Kellerskopf” und den “Großen Feldberg” am Horizont. Die Bänke eines Kinderspielplatzes laden zu einer weiteren Rast ein. Anschließend führt uns der Rheinhöhenweg nach Rambach, wo wir mit 13 km die Hälfte der Wanderstrecke zurückgelegt haben. Hier verabschieden sich 5 Wanderfreundinnen von der Gruppe und fahren mit dem Stadtbus nach Freudenberg.

Bergauf zum Rambacher “Waldsportpfad”, hinab ins Goldsteintal, bergauf zur uralten “Idsteiner Eiche”, wieder hinab in den “Rabengrund”, der großen Waldwiese am Stadtrand von Wiesbaden. Wir kommen an mehreren Trinkwasser spendenden Brunnen vorbei, die sich zu einer weiteren Rast anbieten. Bergauf durch den Wald zur Platterstraße (B 477), jenseits von ihr bergab zum Waldcafé “Waldhaus”, das wir einfach rechts liegen lassen. Jetzt haben wir “nur noch 6 km” vor uns! Wieder geht es bergauf bis zur nächsten stadtauswärts führenden Bundesstraße und natürlich wieder durch den Wald bergab ins nächste Tal. “Wieviele Höhenmeter werden wir denn bis jetzt überwunden haben”, fragt Lutz, der tatsächlich für ein paar Minuten wegen eines kurzen Schauers seinen Regenschirm aufspannen konnte. Hinter dem ehemaligen Kloster Clarenthal erwartet uns jenseits der “Lahnstraße” ein weiterer Anstieg im Wald. Wir überqueren noch die Gleise der ehemaligen Bahnlinie “Wiesbaden-Bad Schwalbach-Limburg” und befinden uns bereits (?) oder endlich (?) am Rande der Dotzheimer Siedlung “Kohlheck”. Mein Angebot, entsprechend meiner Wegbeschreibung noch ein letztes Mal in den Wald abzubiegen, statt auf dem geringfügig kürzeren Weg durch die Siedlung weiterzugehen, nehmen alle an! Bergab ins “Weilburger Tal”, bergauf zum Dotzheimer “Waldfriedhof”. Noch 1 km bis zum Schloss Freudenberg! “Das waren dann aber bestimmt 30 km”, meint Lutz und verweist auf seine Wegerfahrungen bei Volkswandertagen.

Als wir gegen 17.30 Uhr den Park von Schloss Freudenberg erreichen, strömen uns Scharen von Besuchern entgegen. Sie nehmen jedoch kaum Notiz von uns. Dafür werden die “Labyrinthwanderer” jedoch auf einer großen Tafel in der Vorhalle des Schlosses willkommen geheißen. Wir genießen im Café noch eine leckere Gemüsesuppe und begeben uns anschließend zum Labyrinth, wo Sigrid zusammen mit Martha Fritsch ein “Friedenslicht”-Abschlussritual vorbereitet hat. Erwin Reißmann schießt noch ein paar weitere Erinnerungsbilder für seine sehr sehenswerte Homepage www.mymaze.de (/Fotogalerie/Freudenberg/ bzw. /Fotogalerie/Langenhain/), und mit einem gemeinsamen Gang durch das Labyrinth endet dieser schöne Wandertag.