Hintergrund und Geschichtliches
Gedankensplitter

↓ Kulturfragen aus dem Programm 1997 des Labyrinthplatz Zürich

↓ Das Labyrinth ist ein Bild für eine Welt der Gegensätze

↓ (…)

↓ Aus dem Programm 1991 des Labyrinthplatz Zürich

↓ Das Labyrinth als persönliche Erfahrung

↓ Arbeit im Labyrinth

↓ Alle Menschen sind einmalig

↓ - du - Labyrinth; eine ironische Anrufung (1990)

↓ Humoristische und ernsthafte Annäherung an das Labyrinth (2000)

Kulturfragen aus dem Programm 1997 des Labyrinthplatz Zürich

Das Labyrinth wurde bereits von frühgeschichtlichen Kulturen gebraucht. Der labyrinthische Weg ist ein körperlich erfahrbarer Prozess, der die Lebensbedingungen bewusst macht. Als begehbares Bild wurde das Labyrinth von verschiedenen Völkern unterschiedlich verstanden. Einzelne Kulturen sind verschwunden - das Labyrinth ist geblieben.

Elementare Fragen bleiben;
Wer und was gehört der Erde, zum Leben
Wem gehört die Erde, das Land, der Lebensraum
Welche Gesetze regeln das Leben auf der Erde
Wer oder was regelt leben, wohnen
- in einer Stadt
- in einem Land?

Das Projekt Labyrinth ist ein von Frauen geprägtes KULTUR- und KOMMUNIKATIONSMODELL. Es ist als Spiegel öffentlicher Auseinandersetzung gedacht. Im günstigsten Fall dient dieses Frauenforum einer Neuorientierung des Zusammenlebens
- in dieser Stadt
- in diesem Land
- darüber hinaus?

Viele Pflastersteine formen den Weg, bilden Grenzen, die Umgänge im Labyrinth. Was heisst
- miteinander umgehen
- einander übergehen
- vorangehen, mitgehen?

Kinder aller Welt kennen das Hüpfspiel “Himmel und Erde”. Es ist das Spiel von Leben und Tod, ein winziger Rest labyrinthischer Kultur. Wir beginnen es neu. Wer spielt mit uns?


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Das Labyrinth ist ein Bild für eine Welt der Gegensätze

Das Labyrinth verlangt Auseinander-Setzung, Unterscheidung.

Unterbewertete - überbewertete Kräfte bewusst machen, an ihren Platz stellen im Ganzen. Gewichte setzen, verschieben, verlagern.

Was ist für die Wahrnehmung wichtig - unwichtig, das Be-zeichnete oder das Weggelassene?

Ist das ausgesparte Weiss positiv - negativ?
Ist die schwarze Zeichnung positiv - negativ?

Welche von beiden wiegt mehr?
Welches ist gut oder schlecht?
Können gegensätzliche Eigenschaften wertend verglichen werden?


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(…)

Das Labyrinth hat die Eigenheit, die elementaren Gesetzmässigkeiten unseres Daseins ohne Worte darzustellen. Darum kann das Labyrinth in allen Sprachen, Kulturen und Zeiten verstanden und neu interpretiert werden. Das Labyrinth gehört allen.


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Aus dem Programm 1991 des Labyrinthplatz Zürich

Ein Experiment hat angefangen. Wir brauchen die Weisheit des Labyrinths als Umgangsmuster für Begegnungsformen in der Öffentlichkeit. Viele unterschiedliche Menschen haben die Herausforderung angenommen und die wegweisende Hilfe des Labyrinths erfahren.

Pflanzenlabyrinth
Im ehemaligen Kasernenareal ist in gemeinschaftlicher Arbeit ein öffentlicher Garten entstanden. Mit dem Gedeihen der Pflanzen ist Vertrauen gewachsen. Am Prozess des kommunikativen Weges nehmen jetzt alle teil, die sich darauf eingelassen und das Labyrinth beleben.

Steinlabyrinth
Das Labyrinth vor dem Grossmünster ist ein Provisorium und zugleich Stein des Anstosses. Auf dem harten Pflaster braucht es Mut und Stärke, das Labyrinth öffentlich zu gebrauchen. In einer Welt einseitiger individueller Interessen ist der Prozess einer direkten Auseinandersetzung dringend notwendig. Daran nehmen alle teil, die den Widerstand wahrnehmen und ihn Schritt für Schritt überwinden.

1992
Als Begegnungsort ist das Labyrinth politisch und kulturell aussergewöhnlich, weil Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft, Bildung und Begabung kreativ zusammenwirken und dabei, für die Dauer des Geschehens, die gesellschaftlichen Zwänge aufheben. Ein solches Experiment darf kein Provisorium bleiben.


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Das Labyrinth als persönliche Erfahrung

Raum schaffen für Lebensformen, die in ihrem Entwurf grosszügig und weit angelegt sind, vorwärts gehen, Schritt für Schritt, und kreativ an der Veränderung einer Gesellschaft mitwirken, das sind Anliegen, die mich zur Labyrinthgruppe brachten.

Unsere Gesellschaft ist geprägt von Strukturen der Herrschaft und Be-HERR-schung; ein Denken, das die Erde, ja selbst den Kosmos und uns Menschen zu zerstören droht. Die Mächtigen in dieser Gesellschaft schrecken vor nichts zurück.

In der menschlichen Kulturgeschichte gab und gibt es auch andere, von Frauen geprägte Gesellschaftsstrukturen und Denkvorstellungen. Ich sehe mich vorwärtsgehen mit Frauen, die diese Kulturen erforscht haben und bereit sind, ihr daraus gewonnenes Bild von Macht und Kreativität für unsere Zeit umzusetzen.

Ich habe mich auf den labyrinthischen Weg eingelassen. In den überraschenden Wendungen habe ich immer wieder neue Erkenntnisse und Erfahrungen gemacht; das hat mich verändert.

Im Labyrinth erlebe ich die integrierenden Kräfte der Liebe und des Lebens. Wenn ich ihnen Form gebe, sie gestalte, werden sie in umfassender Weise wirklich. Alle jene Teile des Lebens, die bis in die Gegenwart unterdrückt, verleugnet, aufgespalten und als Bruchstücke kaum wahrnehmbar geworden sind, bekommen wieder Gestalt und können als Kräfte im Ganzen wirken.

Die Arbeit im Labyrinth öffnet mir ein System weiblicher Symbole, auf die ich mich als Frau beziehen kann.


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Arbeit im Labyrinth

Das Labyrinth - ein Zeichen der Vielfalt und der Begrenzung.

Die vielen Falten des Labyrinths sind weder beliebig noch zusammenhangslos nebeneinander angereiht.

Wie jeder Baustein, wie jeder einzelne Rundgang im Labyrinth ist die Arbeit einer Gruppe oder einer einzelnen Person Teil eines Ganzen, als Teil einzigartig in Stellung und Wert für das Ganze.

Das Hervorheben der einzelnen Leistung wird bewusst ausgeklammert.

Der klar vorgezeichnete Weg, die Struktur der Achsen, bieten Halt. Sie sind das Mass, der Rahmen für die Freiheit. Sie schützen vor Beliebigkeit und verhindern das Drehen um die eigene Achse.

Die Mitte des Labyrinths ist sowohl Ende wie auch Anfang des Wegs.
Die Mitte ist der Ort zum Innehalten, Innenhalten. Sie ist die engste Windung. Als einzige Sackgasse fordert die Labyrinthmitte Umkehr, Rückbesinnung und bietet einen Ausweg an.

Im Rahmen der labyrinthischen Struktur ist ein Zusammentragen von scheinbar unzusammenhängenden Inhalten möglich. Das Bild zeigt den Weg, Zusammenhänge bewusst machen.


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Alle Menschen sind einmalig

Alle Menschen sind einmalig, unverwechselbar verschieden
Wesentliche Grundlagen jedoch sind für alle gleich

alle Menschen sind aus einer Frau geboren
alle Menschen sind Kinder derselben Erde, leben auf ihr und von ihr
alle Menschen atmen, essen, trinken, scheiden aus
alle Menschen sind abhängig von Zuwendung und Liebe
alle Menschen wollen sich geistig und körperlich bewegen, entwickeln und entfalten
alle Menschen sind begrenzte Wesen mit Schwächen und Stärken
alle Menschen sind sterblich

egal ob Frau oder Mann
egal aus welchem Erdteil oder Kulturkreis
egal mit welchen körperlichen oder geistigen Eigenschaften geboren
egal in welchem Alter
egal wie verschieden ihre individuellen Begabungen sind
egal ob sie gefördert, vernachlässigt, übergangen oder gewürdigt werden
egal wie verschieden sie sind und wie unterschiedlich sie leben

Das Labyrinth macht gegensätzliche Kräfte bewusst und vereinigt sie in einem Bild der Balance. Kopf und Fuss, dunkel und hell, weiblich und männlich sind gleichwertig nebeneinander wie Einatmen und Ausatmen und halten einander im Gleichgewicht.


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- du - Labyrinth; eine ironische Anrufung (1990)

- du - Arena für Planeten und Musen
- du - Bildungslücke und Bildungsstätte
- du - Chaos endlosen Durchgangs
- du - Drachenhöhle vielfältiger Gerüchte und Gerüche
- du - Erfahrung von Mutterleib und Geburt
- du - Falle für Dichter, Denker und Deuter
- du - Geheimnis von Fülle und Leere
- du - Hexenkessel des Zweifels und der Verwandlung
- du - Irrgang aller Heldenwege
- du - Jungbrunnen von Sonne und Mond
- du - Knäuel der Lebens- und Liebesfäden
- du - Landkarte von Gehirn und Gedärm
- du - Muschel von Harmonie und Disharmonien
- du - Niemandsland auf der Pilgerreise durch die Gezeiten
- du - Oase von Leidenschaft und Vertrauen
- du - Paradies der Einfälle und der Television
- du - Quelle für die Weisheit der Narren
- du - Rastplatz auf der Höllenfahrt der Überraschungen
- du - Siegel deiner selbst und der Frauen
- du - Tor auf dem Umweg zum Himmel
- du - Universumscomputer für Gewachsenes und Gewordenes
- du - Vorwand verborgener Vergnügen
- du - Wurzel des tanzenden Urbildes
- du - X-punkt von Begegnung und Einsamkeit
- du - sYmbol der heilenden Geometrie
- du - Zufall nach erfolglosem Suchen


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Humoristische und ernsthafte Annäherung an das Labyrinth (2000)

Labyrinth
Das Labyrinth ist ein Vermächtnis aus prähistorischer Zeit. Es ist beheimatet in vielen unterschiedlichen Kulturen unserer Zeit. Durch das Labyrinth zu gehen, ist wie ein Gang durch alle Zeiten und Himmelsrichtungen.
Das Labyrinth ist ein Zeichen, das viele andere Zeichen in sich vereinigt. Seine Vielschichtigkeit macht das Labyrinth zum Weltbild.

- du - Labyrinth
Beispiele von Deutungen, von A-Z
Zur Freude und zum Schmunzeln

A - anfangen
Anfang
- du - tanzender Aufbruch

B - Buch
Buch der Weisheit
- du - Bühne des Lebens

C - Chaos
Chaos für neue Klänge
- du - Klangraum der Kinder

D - Dornenpfad
- du - Dorn im Auge
Dornenpfad mit vielen Rosen

E - Erde
Erfahrung von Mutterleib und Geburt
- du - Erbe von Werden und Vergehen

F - Frau
Feier des Lebens von Frau zu Frau
- du - Falle für Dichter und Deuter

G - Geheimnis
Geheimnis von Fülle und Leere
- du - Gleichgewicht in den Grenzen

H - Herzschlag
Herzschlag des Bewusstseins
- du - Haus der Träume und der Veränderung

I - Jungbrunnen
Jungbrunnen von Sonne und Mond
- du - Irrgang der Heldenwege

K - Knäuel
Knäuel der Lebens- und Liebesfäden
- du - Knoten der weiblichen Kraft

L - lernen und lehren
- du - Landkarte von Gehirn und Gedärm

M - Mutter
Mutterschoss der vielfachen Meinung
- du - Mutter von Harmonie und Disharmonien

N - Niemandsland
Nebel, Nacht
- du - Niemandsland auf der Pilgerreise der Überraschungen

O - Oase
Oase der Sinne, Oase zum Lachen
Ort, der nie fertig ist
offen, öffentlich
- du - Ort wider das Vergessen

P - Paradies
Paradies der Einfälle
- du - Präsenz von Poesie und Politik

Q - Quelle
- du - Quelle für die Weisheit der Närrinnen und Narren

R - Rastplatz
- du - Rastplatz auf der Höllenfahrt der Beschleunigung

S - Sehnsucht
Siegel der Sehnsucht
- du - Spiegel der Achtsamkeit, Schritt für Schritt

T - Tor
Tapuat
- du - Tor auf Umweg zum Himmel

U - Urbild
Utopie
- du - Urbild für Gewachsenes und Gewordenes

V - Vertrauen
Vertrauen und Vermächtnis
- du - verborgenes Vergnügen

W - Wurzel
Weg, Weiterwollen
- du - Wurzel des Widerstands und des Zweifels
a way to go - a way to be

X - du - X-punkt von Begegnung und Einsamkeit

Y - du - sYmbol der heilenden Geometrie

Z - Zufall
Zumutung
- du - Zufall nach erfolgloser Suche
Woher komme ich? Wohin gehe ich?

- du - Labyrinth


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